Willkommen im Blog des WWF Graubünden
Hier teilen wir spannende Einblicke in unsere Naturschutzarbeit, Erfahrungsberichte aus Freiwilligeneinsätzen und Geschichten, die zeigen, wie wir gemeinsam die einzigartige Natur Graubündens schützen. Lassen Sie sich inspirieren und begleiten Sie uns auf unserem Weg für eine nachhaltige Zukunft.
Seltene gefährdete Käferarten im Seidengut nachgewiesen!
Wer hätte gedacht, dass sich solche Raritäten unter der Rinde der alten Bäume im Seidengut verbergen? Seit über 20 Jahren pflegen wir mit den Freiwilligen das Seidengut: Entbuschen, Mähgut rechen, Neophyten bekämpfen - all das steht alljährlich auf dem Programm. Schon einige Male habe ich mir überlegt: "Man müsste reinschauen können in die Bäume."
Die meisten Holzkäferarten im Seidengut nachgewiesen
Ein Forscherteam nahm im letzten Jahr im Auftrag des Amtes für Natur und Umwelt mehrere Standorte mit alten Obstbäumen rund um Chur unter die Lupe. Insgesamt konnten sie 49 Käferarten, darunter mehrere seltene und gefährdete Käfer, nachweisen. Die meisten Arten, nämlich 24, konnten im Seidengut nachgewiesen werden. Besonders erwähnenswert: der als gefährdet geltende Hirschkäfer (Lucanus cervus,VU), der potentiell gefährdete Kopfhornschröter (Sinodendron cylindricum, NT) und der Schwarze Pflanzenkäfer (Prionychus melanarius: eine Urwaldreliktart). Ebenso wurde ein zwar nicht seltener, aber bisher in Graubünden kaum nachgewiesener, sehr kleiner Vertreter der Stäublingskäfe (Mycetaea subterranea) gefunden. Ein Grund mehr, dieses Gebiet zu schützen und zu erhalten!
Mach mit!
Sei auch du dabei und pack mit an: der WWF Graubünden feiert in diesem Jahr sein 50 jähriges Jubiläum und hat einiges zu bieten.
Hier geht es zu den aktuellen Freiwilligeneinsätzen.
Yvonne Panzer, Leiterin Freiwilligeneinsätze im Seidengut



Gemeinsamer Hegeeinsatz der Jägersektion Montalin und des WWF Graubünden
8.3.2025
Am Samstag, 8. März 2025 fand der gemeinsame Hegeeinsatz der Jägersektion Montalin und des WWF Graubünden statt. Um 08:30 Uhr versammelten sich die Teilnehmer am Bahnhof Lüen, wo sie von Armando Brügger, Hegeobmann der Jägersektion Montalin, und Cilgia Schatzmann, Projektleiterin des WWF Graubünden, begrüsst wurden. Bei Kaffee und Gipfeli wurde der Tagesablauf besprochen.
Anschließend machten sich die Jäger und freiwilligen Helfer des WWF, ausgestattet mit Motorsägen, Schaufeln, Pickeln und diversem Werkzeug, auf den Weg unterhalb von Lüen, nach Under Sufs. Dort wurde der Trockenstandort von regionaler Bedeutung weiter entbuscht und vergrössert. Die Jäger der Jägersektion Montalin pflegen diesen Standort schon mehrere Jahrzehnte lang. Während der Pause zeigte Cilgia Schatzmann eindrucksvolle Vergleichsfotos aus den Jahren 1985 bis 2024, die das zunehmende Zuwachsen der Landschaft verdeutlichten.
Armando Brügger erklärte in der Pause zudem die Bedeutung der Massnahmen für das Wild. Neben der notwendigen Ruhe im Winter benötigen die Tiere auch ausreichend Äsungsmöglichkeiten. Dafür wird das Heu auf den Tristen gelagert, sodass das Wild es im Winter aufnehmen kann. Dadurch bleibt es von den Dörfern und dem Bahngleis fern, was das Risiko von Unfällen verringert.
Nach getaner Arbeit verwöhnte der „Stinarüti-Beizer“ Ruedi die gesamte Mannschaft mit Bratwurst und Magronensalat. Zum Dessert gab es Kuchen und Kaffee.
Ein besonderes Dankeschön gilt Ernst Pargätzi und Hanni Hug, den Eigentümern des Landes, die sehr begeistert von der Leistung der freiwilligen Helfer waren und deshalb die „Zvieri“-Kosten vollständig übernahmen.
Ebenfalls ein grosses Dankeschön an alle Beteiligten für ihren tatkräftigen Einsatz! Weiter geht es im Sommer mit der Heuernte!
Armando Brügger, Hegeobmann der Jägersektion Montalin

Natur verbindet
26.2.2025
Ich staune. „Dia Niala muass weg!“ Sagt Beat Deplazes und schwingt sich in den Ahorn im Churer Seidengut. „Ok“, er ist frisch pensioniert, denk ich mir, „da hat man Speuz!“ Der Asthaufen, den die Mitarbeitenden der Stadt perfekt drapiert auf dem dritten Mauerband zurück gelassen hatten, den hat er schon zur Seite gehievt. Das Knäuel von abgeschnittenen Ästen, einer riesigen Skulptur ähnlich, fest gelegen am Fuss der Verankerung gegen Steinschlag, zerren wir zu zweit in die Büsche. „Ein grossartiger Lebensraum“, murmelt er. Das Blech, das ich beinahe als Rückbleibsel unachtsamer Nachbarn abtue und entsorgen möchte, stellt sich als Unterschlupf für Schlangen heraus. „Das hat Hans Schmocker hier platziert“, weiss Beat. Seit 15 Jahren packt er im Seidengut mit an.
Alles begann vor 50 Jahren
Vor 50 Jahren legten Naturschützerinnen der Region den Grundstein für den WWF Graubünden. Seit 50 Jahren bewirtschaften wir den Bio Hof Hilarien in Chur als Familienbetrieb. Am Projekttag von „Natur verbindet“ im Churer Seidengut fand alles zusammen. Landwirtschaft, WWF, Gemeinde und Freiwillige hatten vereint angepackt, während zeitgleich auf meinem Mailaccount die Nachricht einging, dass auf drei der von uns standortangepasst, bewirtschafteten Weiden, Käfer gefunden worden waren, die vom Aussterben bedroht sind. Auch hier im Seidengut. Alles kommt immer wieder mal gut.
Flavia Brüesch, Landwirtin

Spannender Heckenpflegekurs
1.2.2025
Mit viel Wissen und Leidenschaft leitete uns Nicole Ackermann an, um die Heckenstreifen zwischen Trimmis und Wietene zu pflegen. Gemeinsam wurde mit viel Eifer Nielen gerupft und Haseln geschnitten. Nebenbei gab es eine Fülle von Hintergrundwissen zu Theorie und Praxis der Pflege, Verwertungsmöglichkeiten für Wildfrüchte, Neuanlage von Wildhecken, Pflanztricks...
Schneiden, stutzen, staunen
Daneben machten die Bauern, die die Flächen bewirtschaften sowie der Förster einen Besuch, um den Teilnehmern ihr Wissen preiszugeben. Sie zeigten die Notwendigkeit der Heckenpflege auf, die erforderlichen Massnahmen und sorgten für unser leibliches Wohl. Wir gingen heim mit einem Rucksack voller Wissen vereint mit Tatendrang, um eigene Wildfrucht- Kreationen auszuprobieren.
Yvonne Panzer, Kursteilnehmerin




Auf der Suche nach heimischen Gehölzen und Tagfaltereiern
11.01.2025
Am zweiten Januarsamstag trafen sich 6 Teilnehmende in Trimmis zur WWF-Exkursion «Tagfalter im Winter». Nach einer kurzen Einführung ging es durch das Dorf bis zur Trockenweide von nationaler Bedeutung «Cartschitscha». Auf dem Weg dorthin konnten wir viele Wildgehölze und deren Wintermerkmale genauer anschauen, von der häufigen Hasel bis zum seltenen Felsen-Kreuzdorn.
Wie leben Tagfalter im Winter?
Neben der Gehölzkunde wurde auch über die Lebensweise der Tagfalter im Winter berichtet. Das Kernthema dabei waren die Zipfelfalter, eine Gruppe der Bläulinge, die bis auf eine Ausnahme den Winter als Ei überstehen. Gefunden haben wir Eier vom Nierenfleck und dem Kreuzdorn-Zipfelfalter. Beide Arten werden im Sommer selten beobachtet, weil die Falter oft in Gehölznähe sind und leicht übersehen werden. Ersterer überwintert meist in den Verzweigungen von Schwarzdorn, Traubenkirsche oder auch im Garten an Steinobst (ausser Kirschen). Letzterer auf dem Kreuzdorn, und im Churer Rheintal speziell zu nennen, der seltene Felsen-Kreuzdorn.
Neben der Gehölz- und Tagfalterkunde wurde zudem der Lebensraum Trockenweide beleuchtet. Eine Reise in die Vergangenheit zeigt, dass in den letzten 60 Jahren die Trockenweiden dem Siedlungsbau stark gewichen sind. Dennoch finden sich hier noch bedeutende Trockenweiden direkt am Dorfrand, die zu Erhalten sind.
André Besimo, Gehölz- und Tagfalterkenner, Exkursionsleiter



